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Samstag, 12. November 2011

Augenblicke




Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel




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Montag, 30. Mai 2011

Innehalten




Voll Blüten

Voll Blüten steht der Pfirsichbaum,
nicht jede wird zur Frucht,
Sie schimmern zart wie Rosenschaum
Durch Blau und Wolkenflucht.
Wie Blüten gehen Gedanken auf
Hundert an jedem Tag...
Lass blühen, lass dem Ding den Lauf,
Frag nicht nach dem Ertrag!
Es muss auch Spiel und Unschuld sein
Und Blütenüberbluss,
Sonst wär die Welt uns viel zu klein
Und Leben kein Genuss.



~Hermann Hesse






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Montag, 20. September 2010

Innehalten

(Bild via We heart it)

Mein Vater ist meist kein Mann der grossen Worte, dafür kann er herrlich schweigen, Laubiglus bauen, immer, immer und überall den Weg und das Ziel finden, die besten Massagen geben und (vor allem mit meinem Brüderchen zusammen) blöde Sprüche reissen.


Dieses Gedicht schenkte er mir zu meinem Uniabschluss im Frühling 2008. Wie er mich kennt, mein lieber Vati...



Sehnsucht

Ich wünsche dir
dass du die Sehnsucht
die von Kindheit an
in deiner Seele ist,
mit grosser Sorge hütest

Sehnsucht ist die Suche
nach einem Paradies,
nach Schönheit, nach Liebe,
nach Heimat, nach Frieden
nach dem, was bleibt

Ich möchte in deine Augen sehen
und niemals entdecken,
dass du die Träume deiner Kindheit
dem Alltag geopfert hast


Aus dem Buch
der Guten Wünsche




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Dienstag, 11. Mai 2010

Augenblicke




Eh der Garten ganz beginnt

Eh der Garten ganz beginnt
sich der Güte hinzugeben,
stehn die Mädchen drin und beben
vor dem zögernden Erleben,
und aus engen Ängsten heben
sie die Hände in den Wind.

Und sie gehn auf scheuen Schuhn,
als ob sie die Kleider pressten;
und das sind die ersten Gesten,
die sie im Gefühl von Festen
ihrem Traum entgegentun...


Rainer Maria Rilke
13.5.1898
Viareggio

Aus "Mir zur Feier"


(Bild via Once Wed)

Montag, 12. Oktober 2009

Augenblicke


(Bild via ffffound!)

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross.

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,

und auf den Fluren lass die Winde los.


Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;

gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,

dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süsse in den schweren Wein.


Wer jetzt kein Haus gebaut hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt alleine ist, wird es lange bleiben,

wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben

und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern,
wenn die Blätter treiben.



~ Rainer Maria Rilke