Herzschmerz (Gefühle einer Versagerin)
Darf ich euch etwas erzählen und darauf hoffen, dass ihr mich nicht dafür verurteilt? Ich habe gestern eine der schwierigsten Entscheidungen in meinem Leben getroffen: Ich habe Lilou wieder zurück nach hause, ihr richtiges Zuhause gegeben.
Ich wollte einen Hund, einen ständigen Gefährten, in meinem Leben. Ich wollte so viel Verantwortung für ein anderes Lebewesen übernehmen. Ich wollte Lilou unbedingt. Ich habe mich auf sie gefreut, von ihr geträumt, mir mein Leben mit ihr vorgestellt. Ich war (und bin) überzeugt davon, dass der kleine Gremlin der süsseste, liebste, coolste, beste Hund auf der ganzen Welt ist.
Die 100 Stunden mit diesem kleinen Hund haben mich jedoch Dinge gelernt, die ich nicht wusste über mich oder von deren Gegenteil ich überzeugt war. Ich habe gelernt, was totale Überforderung bedeutet, wenn so ein kleines Lebewesen (m)ein Leben auf den Kopf stellt. Ich habe angefangen, zu lernen, wo ich meine Grenzen setzen könnte, um mich nicht völlig von ihm auffressen zu lassen. Ich habe gemerkt, wie wichtig meine Rückzugsmomente für mein Wohlbefinden sind und was passiert, wenn ich sie nicht mehr habe. Und ich habe zu meinem eigenen grossen Erschrecken gelernt, dass die Liebe, die ich Lilou entgegenbringen wollte, mir fehlt.
Dieses Gefühl von "das ist mein Hund", ich liebe ihn über alles, dieses unerschütterliche Muttergefühl, das einen durch die grössten Krisen tragen kann und hilft, den Stress, die Unsicherheit, die Beengung der eigenen Freiheit zu ertragen... ich habe es nicht. Nicht für die liebe, wunderbare kleine Lilou. Ich habe sie so gern, wie man ein Tier nur gern haben kann. Aber sie fühlt sich nicht wie MEIN Hund an. In den schwierigen Momenten nicht. Und auch in den vielen wunderbaren Momenten nicht.
Gestern, nach einem grossartigen Ausflug zu dritt, der meinen Tagträumen hätte entsprungen sein können, trug ich das Welpenbaby süss schlafend auf meinen Armen nach Hause. Genau das war es, was ich gewollt hatte. Und ich konnte nicht anders, als nur noch zu weinen. Denn ich fühlte mich in einem Leben, das nicht meins war. Ich hatte es so sehr gewollt und nun fühlte es sich fremd und schwer an.
Bin ich ein Fähnchen im Wind? Bin ich egoistisch? Bin ich unfähig, so viel Verantwortung zu übernehmen? Bin ich eine unfähige (Welpen)mama? Wie konnten sich meine Gefühle, meine Überzeugungen, derart um 180 Grad drehen? Wie konnte ich das Lilou nur antun? Mein Wunsch nach einem Begleiter, der mich unkonditionell liebt und voll in meinem Leben sein will, mein Wunsch, meine Liebe endlich jemandem schenken zu können, der sie mit Begeisterung aufnimmt, mein Wunsch nach einem Hund, ist in der Zeit entstanden, als es mit dem Hochstapler besonders schwierig war. Habe ich aus dieser Krise heraus mir eine nächste geschaffen oder verdaue ich immer noch, was ich letztes Jahr erlebt habe? Ich weiss es (gerade noch) nicht. Ich weiss nur, dass es das beste für Lilou ist - und für mich - wenn ich jetzt ganz ehrlich bin und mein Versagen zugebe.
Manchmal ist diese Welt unglaublich undurchsichtig in dem was gut, richtig und falsch ist. Aber auch wenn es mich unglaublich beschämt und traurig macht, Lilou gestern abend wieder in ihr Zuhause in Burgistein gegeben zu haben, fühlt sich richtig an. Der Druck der letzten Tage, ein Wunder möge geschehen, dass ich fühle, dass ich das alles will, ist einer Erleichterung gewichen, die sich noch ziemlich vorsichtig anfühlt. Ich weiss noch nicht, was die letzten Tage mit mir gemacht haben und wer ich dadurch geworden bin...
Ich hoffe einfach, nein, ich weiss, dass Lilou einen wunderbaren Platz bei wunderbaren Menschen erhalten wird, die mit ihr die Art von Herzverbindung haben werden, die sie verdient. Sie ist der süsseste, liebste, coolste, beste Hund auf der ganzen Welt.
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